Organic Fashion im Umbruch

Organic Fashion - eine Branche im Umbruch

Interview mit Renate Hunfeld Addison

Suburbia Store

Renate, was ist die Philosophie von Organic Clothing und deiner Boutique Suburbia?

Ich habe schon vor fast 20 Jahren angefangen, als Designerin Öko-Kollektionen zu entwerfen. Bereits da ist mir aufgefallen, dass es neben Biobaumwolle viele weitere umweltfreundliche und interessante Materialien gibt, die man verwenden kann. Öko ist nicht unbedingt nur Biobaumwolle. Und diese Philosophie vertrete ich auch hier in meinem Laden. Es gibt viele Labels, die beispielsweise jetzt auf diesen Modetrend aufspringen: Öko, Bio oder Organic. Sie benutzen zwar Biobaumwolle, hören aber auf weiter zu denken. Ich finde, es sollte nach immer weiteren und intelligenteren Lösungen gesucht werden. Biobaumwolle ist toll, aber einfach noch nicht das Allerbeste. Wir kommen leider ohne Baumwolle nicht aus, bei all den Jeanslabels, die es gibt. Zumindest sind die Arbeiterinnen beim Anbau von Biobaumwolle nicht mehr schweren Chemikalien und Giftstoffen ausgesetzt, was in der Vergangenheit dazu geführt hat, dass Babys mit Handicaps geboren wurden. Da gibt’s grausame Geschichten, und es ist natürlich toll, dass so etwas durch Biobaumwolle nicht mehr passiert.

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Was sind alternative Materialen?

Jute und Hanf sind eine super Alternative zur Baumwolle. Das Material ist ein bisschen härter, aber das kann man auch in der Verarbeitung ausgleichen.
Ich stehe so ein bisschen hinter dem Credo von William McDonald und Michael Braungart, einem Amerikaner und einem Deutschen. Ihre Philosophie ist, mit den uns gegebenen Mitteln etwas anzufangen und lediglich die Produktionssituation dieser Mittel zu verbessern.
Wir fahren fast alle ein Auto, wir haben eine bestimmte Lebensqualität, und viele Leute haben Angst, dass sie das alles aufgeben müssten, wenn sie sich mehr um die Umwelt kümmern würden. Diese beiden Männer sagen, dass das nicht sein muss, vorausgesetzt, dass wir die Produktion von jedem Material, das wir haben, umweltfreundlich gestalten. Und das ist das, was ich auch in der Mode wichtig finde. Mit Materialen zu arbeiten, die ohne weiteres recycelt werden können. Im Endeffekt soll eine Jeans produziert werden, die man im Park entsorgen kann, und sicher ist, dass der Boden nicht verseucht wird. McDonald und Braungart haben sogar Samen von seltenen Pflanzen in den Kleidungsstücken verarbeitet und so können schöne Blumen daraus wachsen, wenn ihre Produkte weggeworfen werden.

Im Moment setzen alle Marken, wie H&M, Otto und C&A auf Biobaumwolle. Einerseits finde ich das gut, weil ich glaube, dass es dadurch jeden erreicht, nicht nur die Leute, die es sich leisten können. Andererseits ist die Frage, inwiefern ist das wirklich Biobaumwolle. Soviel Biobaumwolle kann’s gar nicht geben auf der ganzen Welt. Deswegen ist es wichtig, dass die Europäische Union klarer und deutlicher zertifiziert. Damit nicht jedes Label seine eigene Zertifizierung hat, das ist für den Konsumenten verwirrend.

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Kann man davon ausgehen, dass bei einem als Bio gekennzeichneten Kleidungsstück neben der Baumwolle auch alle weiteren Inhalte, wie Farbstoffe etc., Ökostandard haben?

Nein, davon kann man nicht ausgehen. Es kann sein, dass das auf dem Label steht, doch sicher ist es nicht. Jeder schreibt auch auf sein Label: hautfreundlich. Wer gibt mir die Garantie? Ist es getestet worden, steht da ein Zertifikat oder ein Siegel drin? Also das ist nicht zu verfolgen. Es gibt derzeit eine Organisation, auch ein paar Labels, die ich verkaufe, angeschlossen. Sie heißen: made-by. Jeder Artikel hat einen Code und als Konsument kannst du den im Internet eingeben und genau verfolgen, wo kommt der Artikel her und welche Produktionsschritte hat er durchlaufen. Ich kann so genau feststellen, wie sauber dieses Produkt ist.

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Welches Label macht das schon?

Es gibt ein paar größere Labels, die sich das leisten können, wie Komodo. Sie sind bei made-by angeschlossen, aber man kann den Produktionsverlauf noch nicht verfolgen. Schließlich besteht bei ihnen die Angst, wenn sie ihre Produktion veröffentlichen, dass sie an den Standorten nicht mehr länger produzieren können. Im Moment will jeder Fairtrade produzieren. Komodo hat natürlich jahrelang nach guten Produktionsstätten gesucht. Sie sind aber ein kleiner Produzent, und dann kommt auf einmal, wenn es veröffentlicht wird, ein großer Hersteller und sagt, ja dann nehmen wir diese Fabrik, und dann kann Komodo seine Produktion vergessen. Das ist natürlich eine Gefahr.

Wie siehst du den Anteil des Ökomarktes am gesamten Modemarkt?

Das ist schwierig zu sagen. Ich glaube noch relativ gering. Ich merke das ja auch in meinem Laden. Viele Leute kommen hier rein, nicht weil sie Ökoprodukte suchen, sondern weil es ein Modeladen ist. Ich hab ganz viele Kunden, die Produkte kaufen, weil sie sie einfach toll finden, nicht weil es Öko ist. Ich glaube, dass wir noch ganz weit weg sind von einem sehr bewussten Lebensstil. Mode bleibt Mode. Eigentlich ist Mode sowieso sehr umweltunfreundlich. Warum machen wir vier Kollektionen im Jahr?

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Jetzt mal vorausgesetzt, dass neben der Biobaumwolle auch noch alle weiteren Inhalte öko sind, da bleibt ja immer noch der Transportweg. Die meisten Textilien werden in Bangladesch oder sonstigen fernen asiatischen Ländern hergestellt. Würdest du soweit gehen, dass auch die Mode wieder regional werden soll?

Ja, super. Das ist ein Thema, das beispielsweise People Tree aus England sehr beschäftigt. Die machen sich richtig Sorgen, weil so viel in Indien produziert wird. Das Produkt ist zwar Fairtrade, aber eigentlich fallen so viele Transportkosten an und auf dem Weg wird soviel CO2 produziert. Ich bin pro-lokal und ich bin auch pro-Europa. Ich finde es schade, dass wir langsam ein Museum werden von Know-how, Wissen und Handarbeit. Alles, was wir aufgebaut haben, verlieren wir wieder. Unsere Kinder wissen gar nicht mehr, wie man einen Schuh richtig näht oder macht. Das finde ich schade. Ich bin für mehr Produktion in Europa.

Was denkst du über die Verarbeitung von Tierprodukten wie Leder? Gibt es diesbezüglich einen Bewusstseinswandel?

Also, Pelz ist ja schon seit Jahren in der Mode umstritten. Leder gibt’s natürlich immer noch. Ich bin selbst nicht Vegetarier und wäre sofort dabei, wenn es Materialien gebe, die Leder ersetzen könnten. Terra Plana machen superschöne Schuhe, nach der Masai Barfuss Technologie, aber die sind aus Leder. (Red. Die Masai Barfuss Technologie lässt unsere flachen Alltagsböden natürlich uneben wirken. Er ist das Gegenteil eines Schuhs, weil er weder stützt, noch führt, noch dämpft. Er richtet die Haltung auf, dehnt, stärkt und koordiniert den Muskelapparat, dämpft Belastungen auf Rücken und Gelenke und löst Verspannungen, weil er den Schwung im Gang laufen lässt). Es gibt mittlerweile ganz tolle Hanf-, Woll- und Filzschuhe, aber ich weiß nicht, inwieweit sie im Winter Leder ersetzen können. Natürlich gibt es Kunststoff, da könnte man auch mit dem Recyclingprinzip mehr daraus machen. Aber das steckt noch in den Kinderschuhen.

Kannst du uns ein paar Labels nennen, die Vorreiter in dem Ökomarkt sind?

Im Moment sicherlich ist Kuyichi einer der Vorreiter. Aber auch Stewart & Brown und Edun. Ein sehr hochwertiges Label ist Noir, sie sind aber sehr teuer. Katharine Hamnett, die natürlich schon vor Jahren mit Statements zum Thema Fairtrade und Biobaumwolle am Markt war. Bei ihr kostet ein T-Shirt etwa 89 €. Das ist für mich aber auch kein Fairtrade mehr. Fairtrade bedeutet für alle fairen Handel und deswegen ist es wichtig, dass es bezahlbar und zugänglich für jeden ist. Labels wie People Tree, die bemühen sich. Sie sind aktiv und wollen wirklich was ändern, an den Produktionsstätten, in den Ländern und bauen sogar Schulen auf. Sie haben aber keine Werbemittel, um es an die große Glocke zu hängen. Diese Labels interessieren mich, weil Leute dahinter stecken, die selbst dorthin gehen, die teilweise sogar in den Gebieten wohnen und ihr Leben dem anpassen. Solche Labels sind hier bei Suburbia.

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Wie können die Labels bei derartigen Mehrleistungen und dem von dir gewünschten fairen Preis für den Endverbraucher wirtschaftlich arbeiten?

Das ist bestimmt nicht einfach, aber es gibt ein paar Labels, die bewiesen haben, dass das geht. Joe Komodo hat beispielsweise gesagt, dass es wichtig ist eine langfristige Zusammenarbeit mit den Produktionsstätten anzustreben, wenn du Fairtrade produzieren willst. Die kleine Fabrik in Katmandu kann sich darüber freuen. Der Fabrikeigentümer kann dadurch neue Maschinen kaufen, kann Personal einstellen. Das ist natürlich auch die Gefahr beim Fairtrade als Modetrend. Joe Komodo geht es um langfristige Beziehungen. Dadurch gibt es auch gute Preise für den Endverbraucher. Wenn Firmen aber sagen: Ich geh jetzt mal für 2 Saisons zu Produzent X und bau das ganze um auf Fairtrade. Dann sind die Preise höher, und der Konsument muß es bezahlen. Es gibt bestimmt Labels, die so mit dem Thema Fairtrade umgehen, weil es gerade Mode ist. Mit so einem Verhalten kann man auch ganz viel kaputt machen.

Was ist deine Prognose für den Öko-Modemarkt?

Das ist eine schwierige Frage. Was ich sehe, ist, dass eine ganze Menge kleine Labels auf den Markt kommen, und das ist gut. Es wird immer normaler Biobaumwolle zu benutzten. Ich hoffe nur, dass ich diesen Schriftzug „Organic“ vom Fenster nehmen kann und jeder hier reinkommt, weil es normal geworden ist.

Vielen Dank für das Gespräch
André Danke

Renate Hunfeld Addison

Renate Hunfeld Addison hat Design an der Kunsthochschule in Utrecht studiert. Bereits während ihres Examens setzte sie sich mit dem Thema Ökologie auseinander und zeigte, dass ökologische Mode keine alternativen Sachen sind, sondern dass es sich wirklich um Mode handelt. Vier Jahre lang entwarf sie eigene Kollektionen unter dem Label: No-Fashion in Holland. Seit einem Jahr führt sie ihren eigenen Laden Suburbia-Store mit ökologischen Textilien in Düsseldorf.

Mehr über Organic Fashion im Umbruch

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