Yoga in der Psychatrie

Kundalini Yoga in der Psychatrie

Kundalini Yoga mit psychisch erkrankten Menschen

Herr G. sitzt mit offenen Augen und ausgestreckten Beinen auf dem Boden und murmelt in tiefer Baritonstimme fortwährend, sich ständig wiederholende Satzfetzen vor sich hin. Sein Nachbar, Herr H., sitzt neben einem riesigen Rucksack im Schneidersitz und blickt immer wieder mit getriebenem Blick hinter sich. Ihm gegenüber liegt Herr P. schwitzend auf dem Rücken und gibt aufgrund seines erheblichen Körperumfangs und starken Nikotinkonsums leicht röchelnde Atemgeräusche von sich. Daneben sitzt Frau S. mit geschlossenen Augen, die Hände im Gyan mudra und scheint voll und ganz in sich versunken.

Diese vier Menschen haben zwei Dinge gemeinsam: sie üben gerade eine Kundalini Yoga Kriya und sie leiden seit vielen Jahren an einer chronisch psychischen Erkrankung. Chronisch psychisch krank zu sein, heißt konkret, an mindestens einer längeren akuten Krankheitsepisode einer Psychose, Neurose oder einer Persönlichkeitsstörung zu leiden. Unter diese drei Oberbegriffe fällt der größte Teil aller Diagnosen innerhalb der Psychiatrie. Im Einzelnen umfasst dies dann alle Arten von Depressionen, Manien, Schizophrenien, Angst- Zwangserkrankungen, die verschiedenen Ausprägungen der Borderlinestörung usw.

Für den Außenstehenden macht sich eine psychische Erkrankung vor allem am meist merkwürdigen Verhalten der Betroffenen bemerkbar. Dabei ist es selbst für in der Psychiatrie Tätige nicht immer einfach, die unterschiedlichen Symptome, die ein Mensch entwickeln kann, bestimmten Krankheitsbildern zuzuordnen. Denn zum einen sind bei einer psychischen Störung, anders als bei einem Beinbruch, die Krankheitszeichen sehr individuell geprägt, zum anderen können viele der Symptome (wie Suizidalität oder Antriebsminderung) bei unterschiedlichen Krankheitsbildern auftreten.

Für den Betroffenen steht vor allem das Empfinden seines persönlichen Leides im Vordergrund - unmittelbar erlebtes Leid, entstanden durch die direkte Einwirkung der Erkrankung (wie das Gefühl des Zerfließens der bislang intakten Einheit der persönlichen Identität), mittelbares Leid hervorgerufen durch die Auswirkungen der Erkrankung auf das soziale Umfeld und alle sonstigen Lebensbereiche (Verlust der Arbeit, soziale Isolation, Verarmung.

Yogakurs für Menschen, die an einer Psychose, Neurose oder Persönlichkeitsstörung leiden

Als wir im Jahr 2003 im Sozialpsychiatrischen Zentrum Köln Mülheim, einer ambulanten Betreuungseinrichtung für psychisch kranke Menschen, beschlossen, einen Yogakurs anzubieten, waren wir anfangs etwas unsicher, ob das überhaupt sinnvoll ist für Menschen mit chronischen psychischen Erkrankungen. Innerhalb der psychiatrischen Fachwelt gab es damals noch eine Menge Kritik an einem solchen Vorhaben. Diese bezog sich meist darauf, dass eine zu tiefe Entspannung des Patienten die jeweilige Erkrankung noch schlimmer machen könne, da eine gewisse körperliche und psychische Grundspannung bei psychiatrischen Patienten nötig sei, um sich nicht als völlig aufgelöst und grenzenlos zu empfinden.

Aus dem yogischen Umfeld wird zudem oft das Argument angeführt, dass Yoga mit Menschen, die Psychopharmaka nehmen, zu unberechenbaren Konsequenzen im feinstofflichen Bereich führen könnte und man daher besser die Finger davon lassen solle. Außerdem kann eine konsequente Yogapraxis transformierend wirken und damit auch eine Menge psychischer Prozesse in Gang bringen. Dies kann zumindest zeitweilig belastend auf den Übenden wirken. An dieser Stelle war ich mir nicht sicher, wie viel ich unserer Zielgruppe zumuten kann. Auf der anderen Seite liefert aber gerade die aktuelle Forschung innerhalb der Psychiatrie ein paar gute Argumente, warum Yoga auch für Menschen mit schweren psychiatrischen Krankheitsbildern eine gute Hilfe sein kann.

Stress befördert psychische Erkrankungen

Das derzeit anerkannte Modell zur Entstehung und zum Verlauf von so gut wie allen psychischen Erkrankungen ist das Diathese-Stress-Modell. Dieses Modell besagt, dass sich auf der Grundlage des komplexen Zusammenwirkens von biologischen Faktoren (genetischer Faktor, Gehirnstoffwechsel und -morphologie) und psychosozialen Faktoren (ungünstige Einflüsse auf das sich entwickelnde Kind) eine Grundverletzlichkeit für die jeweilige Erkrankung ergibt. Ob diese Verletzlichkeit zur Entwicklung einer psychischen Erkrankung führt, ist abhängig von einem weiteren Faktor: Stress.

Stress wird definiert als die Summe aller subjektiven Auswirkungen von psychischen und sozialen Belastungen. Stress und Verletzlichkeit wirken bei der Entstehung von psychischen Erkrankungen immer zusammen. Je ausgeprägter dabei die individuelle Verletzlichkeit, desto weniger Stress bedarf es, um eine akute Erkrankung auszulösen.

Im weiteren Krankheitsverlauf hängt es dann entscheidend davon ab, wie der Mensch mit sich und seiner Erkrankung umgeht und ob sein soziales Umfeld eher stützend oder eher destabilisierend wirkt, ob es zu einer Heilung, einer Auffälligkeit, einer Krankheit oder einer Behinderung kommt.
Das Diathese-Stress-Modell bietet verschiedene Ansatzpunkte für Betroffene und ihre Helfer, aktiv an einer Stabilisierung des Krankheitsverlaufs zu arbeiten:

1.)    Verringerung der Stressanfälligkeit (bzw. Vulnerabilität)
2.)    Verringerung des einwirkenden Stress
3.)    Stützung der stabilisierenden/protektiven Einflüsse
4.)    Verringerung der Risikofaktoren

Kundalini Yoga hilft bei Stress

Aufgrund des ganzheitlichen Ansatzes des Kundalini Yoga, in dem die körperlichen und geistigen Übungen durch Vorschläge zur Ernährung und maßvollen Lebensführung, ergänzt werden, können wir als Lehrer an allen diesen Punkten einen entscheidenden Beitrag zur Unterstützung betroffener Menschen leisten: 

zu 1.): Wir haben im Kundalini Yoga eine gute Auswahl an zum Teil einfach durchzuführenden Kriyas und Meditationen, um die Stressanfälligkeit des Gehirns zu verringern, bzw. die Folgen von Stress zu reduzieren.
Zu 2.): Die yogische Humanologie gibt eine Menge Vorschläge zur maßvollen und geregelten Lebensführung, die sinnvoll eingesetzt, zu einem geringerem Input an äußeren Reizen und damit zu einem deutlichen Minus an Stressfaktoren führen.
Zu 3.) und 4.): Durch eine gut funktionierende Sangat, die den betroffenen Mitgliedern ein gewisses Maß an Rückhalt, Offenheit, Toleranz und Unterstützung anbietet, durch eine maßvolle yogische Ernährung und den Verzicht auf schädigende Einflüsse (Alkohol, Zigaretten, Drogen, Kaffee, Zucker, etc.) erhöht sich die Wahrscheinlichkeit eines günstigen Krankheitsverlaufs (dies ist durch entsprechende Untersuchungen belegt).

Dass die regelmäßige Yogapraxis den betroffenen Menschen gut tut, beweist der Erfolg, den unser Angebot seit sechseinhalb Jahren hat. Die Teilnehmerzahl schwankt zwischen drei und 10 TeilnehmerInnen, die an sehr unterschiedlichen Krankheitsbildern leiden. Die durchschnittliche Verweildauer der Teilnehmer beträgt ca. 3 Jahre, was für chronische Psychiatriepatienten ein sehr langer Zeitraum ist, da die meisten krankheitsbedingt große Probleme mit Regelmäßigkeiten und Verbindlichkeiten haben.

Für viele der TeilnehmerInnen ist das Angebot ein wichtiger Termin im wöchentlichen Lebensrhythmus geworden und sie nehmen z. T. sehr lange Wege auf sich, um die Yogastunde wahrnehmen zu können. Die Yogapraxis wirkt dabei stabilisierend, stärkend und stressabbauend, also genau so, wie wir es geplant hatten. Insofern können wir behaupten, dass wir einen Baustein auf dem langen Weg zur Heilung unserer Klientel darstellen.

Heilung bedeutet Selbstverantwortung zu lernen 

Heilung in Bezug auf Menschen in psychiatrischen Bezügen heißt dabei meines Erachtens nicht das Erreichen der völligen Freiheit von Krankheitssymptomen. Heilung ist abhängig von vielen Faktoren, u. a. auch von der Bereitschaft der Betroffenen, Verantwortung für sich und ihr Leben zu übernehmen. Gerade hier haben viele Menschen mit psychiatrischen Störungen aus unterschiedlichen Gründen Defizite. 

Heilung bei Menschen in psychiatrischen Bezügen kann deshalb meiner Ansicht nach nur so verstanden werden, dass die Betroffenen lernen, mit ihrer speziellen Verletzlichkeit für ihre Erkrankung selbstverantwortlich umzugehen. Dies heißt konkret, die individuell unterschiedlichen krankheitsauslösenden Stressoren auf der einen Seite und die stabilisierenden Faktoren auf der anderen Seite zu kennen und sich so konsequent wie möglich daran zu halten. Hierbei kann Kundalini Yoga sehr unterstützend wirken.

Die bisherigen positiven Erfahrungen in dieser Hinsicht aus unserer Einrichtung werden durch die Ergebnisse von Dr. Shannahoff Khalsa aus den USA bestätigt. Der amerikanische Arzt und Kundalini Yogi hat in den letzten Jahren regelrecht auf einzelne psychiatrische Störungen abgestimmte Behandlungssequenzen mit Kundalini Yoga Meditationen entwickelt und damit offenbar sehr gute Erfolge bei seinen Patienten erzielt.

Mehr über Yoga in der Psychatrie

Autor: Stefan Adarsh Singh Wörmann, Dipl. Sozialpädagoge
18 Jahre Erfahrung in stationärer und ambulanter Arbeit mit psychisch kranken Menschen, Lehrer für Kundalini Yoga (Stufe I+II)
Ausbilder i.A. (Amrit Nam Sarowar)

Fortbildung:
Psycho-Yoga
Kundalini Yoga für Menschen mit
psychischen Erkrankungen
- Fortbildung für Yoga-LehrerInnen -
am 23.Oktober 2010
Tagesseminar 9 – 18 Uhr im
YIUÒ YogaRaum Kaulbachstr. 16, Frankfurt
Anmeldung: Voranmeldung ist erforderlich.
Anschließend wird eine Teilnahmebestätigung
und Rechnung versandt. Bitte Email an:
oder tel.: 069 – 66 12 47 61

Hat Dir der Artikel von Stefan Adarsh Singh Wörmann über Yoga in der Psychatrie gefallen? Wenn ja, dann dürfte Dich auch Heilung von Angst interessieren.

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