Yoga und Klang

Yoga und Klang

von Arne Frercks


Wir sind hörende Wesen. Die Wirkung von Klang auf Menschen ist ein erstaunliches Phänomen und gleichzeitig so alltäglich und selbstverständlich, dass wir ihr oft gar keine Beachtung schenken. Wir hören quasi ohne Unterlass, sogar im Schlaf. Unsere Ohren lassen sich gar nicht willkürlich verschließen wie etwa die Augen. Entwicklungsgeschichtlich scheint sich die Natur für das Gehör als den Sinn entschieden zu haben, der hauptverantwortlich für die Sicherung des Überlebens ist. Hörend nehmen wir unsere Umwelt 360 Grad um uns herum wahr, statt nur durch den relativ begrenzten Ausschnitt unseres Sehfeldes. Die Messgenauigkeit unseres Gehörsinns ist erstaunlich und der unseres Sehsinns weit überlegen. So verwundert es nicht, dass unser Nervensystem mit großer Sensibilität akustische Reize wahrnimmt und auf sie reagiert.
 
Stress durch Lärm
Machen wir uns folgendes bewusst: die akustischen Verhältnisse in denen wir leben, existieren menschheitsgeschichtlich erst seit dem Bruchteil einer Sekunde. Ein Geräusch von der Intensität eines vorbei donnernden Lastwagens bedeutete über viele Jahrtausende mit großer Sicherheit eine akute Bedrohung des eigenen Lebens! Unser Körper ist in so einem Fall darauf programmiert, sich mit relativ drastischen Maßnahmen auf einen bevorstehenden Kampf oder lebensrettende Flucht vorzubereiten: Stresshormone werden ausgeschüttet, das Herz schlägt schneller und kräftiger, der Blutdruck erhöht sich, Verdauung und klares Denken arbeiten auf Sparflamme. Diese Prozesse im Körper entziehen sich im Normalfall unserer Kontrolle und werden von Teilen unseres Nervensystems autonom geregelt, die so alt sind wie die Menschheit selbst. Tatsächlich belegen Studien das erhöhte Auftreten von Herz/Kreislauf Erkrankungen in Wohngegenden mit hoher Lärmbelastung. Natürlich ist unser Organismus anpassungsfähig und hat es bis zu einem gewissen Grad gelernt, sich mehr oder weniger gut mit den heutigen Lebensbedingungen zu arrangieren. Auch ist die Art und Weise auf Außenreize zu reagieren, individuell natürlich sehr verschieden. Dennoch scheint es Reaktionen des Gehirns auf bestimmte Klangqualitäten zu geben, die für die Mehrzahl der Menschen sehr ähnlich sind und die aus einer anderen Zeit stammen. Glücklicherweise gilt dies nicht nur für Stress erzeugende Klangquellen, sondern auch für die harmonisierenden.

Heilende Klänge
Musik diente in ihrem Ursprung immer der Heilung und der Lebensfreude! Vielleicht war das der erste Luxus der Menschheit: etwas zu schaffen, das nicht dem Überleben diente, sondern der Freude. Alle schamanischen Traditionen wissen um die bewusstseinserweiternde Wirkung von Klang und nutzen ihn als Werkzeug. In sämtlichen Religionen der Welt spielen rituelle Gesänge eine Rolle. Es gibt die Vorstellung, dass die Welt aus Klang entstand und in unzähligen Yogaschulen intonieren Übende als Beginn ihrer Praxis den heiligen Klang OM. Welche Musik auch immer uns berührt: wir können sicher sein, dass diese Berührung auf irgendeine Art mit etwas zu tun hat, was wir vielleicht Seele nennen können und dass diese Berührbarkeit entstand in einem Moment der frei war von dem bloßen Trieb zu überleben.
 
Als die Menschen begannen sich zu erinnern, dass sie nicht einfach Tiere sind, als Kultur, Religion und spirituelle Suche entstanden, war Musik ein Teil davon und ist es auch heute noch. Wenn Sie Momente kennen, in denen durch Musik der Himmel aufgeht, völlig egal ob durch Mozart oder Michael Jackson, wissen Sie wovon ich spreche. Ich glaube, dass Musik eine Erinnerung in uns berühren kann, eine Erinnerung an etwas gutes, heilsames, so wie es Yoga auch tun kann, oder Gebete oder jeder andere gewählte Weg zu mehr Freiheit und Glück. Manche dieser Wege ergänzen sich wunderbar, so wie Yoga und Klang es für mein Empfinden tun.

Yoga und Klang

Klang und Musik in der Yogapraxis
Wie kann Klang unterstützend in der Yogapraxis wirken? Vorweg sei die Frage erlaubt: Warum praktiziere ich eigentlich Yoga? Um meinen Körper fit zu halten? Um ihn in die Lage zu versetzen, bequem über längere Zeit in einer Meditationshaltung verweilen zu können? Um inneren Frieden zu finden? Meine Rückenschmerzen zu bewältigen? Das sind alles gleichermaßen gute Gründe finde ich. Ich könnte auf Anhieb noch zehn weitere nennen.
Welche Art von Klang oder Musik der Yoga Praxis am besten dient, hat mit dieser Frage natürlich direkt zu tun. Betrachte ich Yoga als Fitnessprogramm, wird tatsächlich dynamische Musik hilfreich sein und in der Tat erweisen sich rhythmische Sequenzen in fordernden Asanas oder beim Sonnengruß oft als sehr unterstützend. Ist es mein Wunsch, sanft und nach innen spürend zu üben, werde ich entsprechende Musik auflegen. Tut mir vielleicht Stille am Besten? Die Möglichkeiten sind unendlich und es gibt meiner Meinung nach keine pauschale Antwort auf die Frage nach der perfekten Musik für den Yogaübenden.

Eine gute Yogastunde beinhaltet verschiedene Dynamiken und ich habe schon von einigen Lehrern gehört, wie schwer es ist den richtigen „Musik Mix“ zu finden. Während der Stunde CDs zu wechseln ist ungünstig. Vorher zusammengestellte Mixe harmonisieren auf einmal doch nicht mit der Dynamik der Stunde. Die Lösung ist, entweder ohne Musik zu üben (was auch tatsächlich nicht wenige Yogis bevorzugen!), einen DJ oder - was natürlich die lebendigste Variante ist - einen Musiker zu buchen, der mit viel Feingefühl der Dynamik der Praxis folgt und die Stunde live begleitet.

Nun gibt es verschiedene Arten dies zu tun. Einige eher traditionell orientierte Schulen wünschen ausschließlich den Klang klassischer indischer Instrumente wie Sitar, Tabla, Harmonium und Gesang zur Unterstützung ihrer Stunden. Ich selbst bin kein ausgebildeter Spieler dieser Instrumente und wenn ich Yogaklassen klanglich begleite, tue ich das auf einer Mischung von Instrumenten die keiner bestimmten Tradition folgt. Mein Streben ist es, den passenden Sound für den jeweiligen Moment zu finden und mir ist dafür jedes Mittel und Instrument recht. Ich schätze sehr den zarten, monotonen Klang obertonreicher Saiteninstrumente wie Körpertambura oder Monochord, benutze ein Set aus 16 von mir handgefertigten Röhrenglocken, verschiedene Percussion Instrumente, Sansulas, Gitarre und  natürlich die wundervolle Hang. Jede Stunde ist anders und die entstehende Musik ist immer frisch und neu, mal dynamisch und fordernd, dann wieder ganz leise und fragil. Die Stille am Ende bleibt immer die gleiche und vielleicht ist es das, worauf es letztlich im Yoga und in der Musik ankommt: sich am Ende der Schönheit der Stille zu überlassen. 

Autor: Arne Frercks

Arne Frercks ist Heilpraktiker und Musiker. Er arbeitet in Berlin als Klangbehandler, Einzelfallhelfer und begleitet Yogastunden verschiedener Schulen musikalisch. Weiterhin veranstaltet er „Abende der leisen Klänge“, Konzerte und Workshops zum Thema.

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