goldene Kette

Die Goldene Kette oder welche Wirkung das Yogafestival hat

von Dr. Michael Onkar Singh Schütte

Mein erstes Yogafestival liegt nun über ein Vierteljahr zurück. Mich zu erinnern fällt leicht, weil ich diese Woche sehr intensiv erlebt habe. Mich zu erinnern fällt schwer, weil ich mir in meinem Alltag wenig Zeit für Kontemplation gönne. Ein kleines Fenster auf meinem Laptop, in dem Fotos des Festivals laufen, hilft mir, auch scheinbar winzige, unwesentliche Details im Blick zu behalten. 

Rückblende: Diesen Sommer schenkte ich mir die bewegendste „Urlaubszeit“ meines Lebens. Zunächst ging ich für zwei Wochen auf einem Jakobsweg, dem „Camiño Portugés“, der gerade neu erschlossen und eher unbekannt ist. Auf dem Camiño zu gehen, ist für mich immer ein besonderes Erlebnis: man geht ein bischen mit all den anderen Jakobspilgern mit, mit all ihren Beschwernissen und Leiden, Sehnsüchten und Wünschen, Überzeugungen und Glaubensbekenntnissen. Und so verschieden die Menschen, die diese Wege gehen, auch sein mögen, so verschiedenen religiösen Überzeugungen sie auch folgen mögen – uns alle eint dieser Weg und dass wir hoffen. Der Jakobsweg hat eine spirituelle Gemeinschaft geschaffen. Und während ich auf dem Weg lief und Gedanken wie diese bewegte, fiel mir auf, wie sehr das der goldenen Kette gleicht. Indem ich diesen Weg gehe, bewege ich mich gleichsam in der Tradition all derer, die ihn vor mir gegangen sind. Ganz klar und ganz bewusst die große Vielfalt der Ziele, Hoffnungen und Wünsche sehend, die diese Tradition genährt haben. Zugleich fühle ich mich auf dem Jakobsweg ganz klar als Yogi. Ich bin dort kein anderer. Ich mache Yoga, ich meditiere und singe Mantren auf dem Weg. Und so bin ich Teil der goldenen Kette der Yogi und zugleich Teil einer goldenen Kette der Jakobspilger. Seitdem sind die goldenen Ketten für mich zu einem goldenen Netz verwoben und dieses Bild, Teil eines goldenen Netzes zu sein, begleitet und stärkt mich seit diesem Sommer.

Das Yogafestival

Nach zwei Wochen auf dem Jakobsweg entschloss ich mich gegen heftige innere Widerstände zum Yogafestival zu fahren. Um der Wahrheit die Ehre zu geben: ich bin überhaupt nur gefahren, weil ich musste: wer die Yogalehrerausbildung Stufe 2 absolvieren will, muss eben einmal am Festival teilnehmen. In meinem Kopf waren Bilder von hungrigen, übermüdet im Schlamm campenden Menschen, die mit zitternden Armen einstündige Yogaübungen in den furchtbarsten Haltungen, eingehüllt in Regenkleidung über sich ergehen lassen. Ich hatte mich also überwunden und das Leben bot mir ein Kontrastprogramm, wie es schöner kaum sein konnte.

Es begann damit, dass mich – kaum im Festival angekommen, sämtliche meiner kleinen Alltagssüchte verließen (und einige sind nicht wieder zurückgekehrt - danke, Schicksal!) So habe ich beispielsweise bis heute nur eine Tafel Schokolade gekauft und gegessen. Das Festivalessen hat geschmeckt (wieso sagen alle Diät dazu?). Ich konnte freiwillig und ohne Schwierigkeiten zur angegebenen Zeit aufstehen, brauchte nicht mal meinen Wecker. Die Gruppenunterkünfte waren prima, unsere Duschen und Toiletten absolut sauber. Das Sadhana beginnt unter Sternen, endet im Sonnenaufgang und manchmal fällt eine Sternschnuppe - phantastisch. Und mit über tausend Menschen Sadhana zu machen ist eine unglaubliche Erfahrung. Das Seva (ich war in der Gemüseschnippelgruppe) macht Spaß, auch wenn man dadurch immer was verpasst. Jeder Workshop ist ein Geschenk. Es ist nur etwas schwierig, weil es so viele Angebote gibt. Eine Tantrapartnerin zu finden war einfach. Die Festivalorganisation machte es auch einfach, sich in das Festivalleben hineinzufinden, denn beim Seva und in den morgendlichen Kleingruppen trifft man immer wieder auf die gleichen Menschen und hat deswegen automatisch sein Kontaktnetz. 

Es gab immer was zu tun, ich hatte einfach keine ruhige Minute, bis ich mir bewusst Auszeiten nahm. Nachdem ich also die vielen neuen Eindrücke verdaut hatte und im „Festivalbetrieb“ etwas mehr angekommen war, begann ich die Atmosphäre des Camps zu genießen. Es war eine große yogische Gemeinschaft und ich spürte die Verbundenheit mit jedem und jeder hier – eine goldene Kette.

Das weiße Tantra

Das weiße Tantra war vielleicht etwas kurz, aber intensiv. Jeder Tag, jede Übung schenkte mir neue Erfahrungen und um es konkret zu machen, möchte ich eine herausgreifen. Am zweiten Tag gab es eine Übung, bei der man in die Hände der Partnerin klatschte und dann mit dem Oberkörper eine gemeinsame Bewegung machte. Nach einigen Minuten begann ich die Schmerzen meiner Partnerin wahrzunehmen, die aus einer tiefsitzenden Verspannung herrührten. Ich wollte nett sein und ihr darüber hinweg helfen und begann Faxen zu machen, also mal den Gesichtsausdruck zu wechseln, mal meine Hände schneller oder langsamer zu bewegen und so Ortswechsel fürs Klatschen zu provozieren. Das kriegte ich im Feedback zu hören: Du hast versucht, mich zu dominieren, das sind männliche Machtallüren. Ich konnte Ihre und meine Sichtweise gut nebeneinander stehen lassen und einfach bloß die Wirkung wahrnehmen. In einer späteren, ähnlichen Übung wurde ich dann ganz ruhig, sah einfach bloß ihren Schmerz, wünschte ihr Heilung und vertraute auf ihre Kraft. Ich tat „nichts“ und mehr war auch nicht notwendig. Das war meine erste Begegnung mit einer teilnehmenden, achtsamen und kraftvollen Neutralität. Ich habe den neutralen Mind so völlig neu kennen und schätzen gelernt.

Zurück im Alltag

Rückblickend habe ich in dieser Woche über Yoga und über mich als Yogi mindestens ebenso viel gelernt wie in einer Woche der Stufe 2 Ausbildung. Meine Praxis als Yogalehrer hat sich verändert, weil dieses Festival mich in so vielem begleitet, das ich mit meinen Schülerinnen und Schülern teile: die Ideen von bewusstem ausgerichtetem Leben, der yogischen Gemeinschaft, der goldenen Kette …

Nun lebe ich seit 90 Tagen wieder mein oft sehr irdisches Alltagsleben mit seinen Routinen, Aufgaben und Schwierigkeiten. Was also bleibt, wenn der Alltag seine einebende Arbeit geleistet hat? Eine neue Verbundenheit mit dem yogischen Geist – mein Denken im Alltag ist mehr auf die yogischen Ideen ausgerichtet. So konnte ich meinen neutralen Mind bis jetzt immer einsetzen, wenn ich das wollte. Mehr Bewusstheit und weniger süchtiges Verhalten. Eine aufrechte (Körper-)Haltung. Eine neue Freundschaft, die sich im Alltag bewährt hat. Viele kleine praktische Veränderungen in meinem Leben, die mich der yogischen Lebensweise näher bringen. Und die große Freude, dass es nur noch ein dreiviertel Jahr ist bis zum nächsten Festival.

Autor: Dr. Michael Onkar Singh Schütte

Ist Yogalehrer, Trainer, Coach und Berater für persönliche und professionelle Entwicklung in Leipzig

Goldene Kette

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